Bildbeschreibung und Urheberrecht

Goethes Lupen-Verrückungsversuch

Anleitung zur Nachstellung, mit Originalzitaten

Goethe ging davon aus, dass Farben alleine durch das Wechselspiel von Licht und Finsternis entsteht. Eine für seine Farbenlehre zentrale Gruppe von Versuchen wird mit Hilfe von Prismen, Lupen und anderen Gläsern durchgeführt. Die dabei auftretenden Effekte nennt er Refraktion (Brechung) und die so beim Durchgang durch Glas erzeugten Farben heißen bei Goethe dioptrisch. Hier wird ein Versuch Goethes zu dioptrischen Farben beschrieben. Im Paragraphen 209 von Goethes Originaltext heißt es:

"Wir haben in dem vorigen gesehen, daß alle Farbenerscheinung bei Gelegenheit der Refraktion darauf beruht, daß der Rand eines Bildes gegen das Bild selbst oder über den Grund gerückt, daß das Bild gleichsam über sich selbst oder über den Grund hingeführt werde."

Dies läßst sich so nachstellen. Auf eine große weisse Fläche zeichnet man ein tiefschwarzes Rechteck. Es funktioniert zum Beispiel mit einer Länge von 10cm und einer Breite von 3cm. Die genaußen Maße sind aber unerheblich. Der Versuch kann bei Tageslicht oder auch mit künstlicher normal heller Beleuchtung durchgeführt werden. Nun nimmt man eine gewöhnliche Leselupe (konvexe Lupe). Eine Brennweite von 20cm (also 5 Dioptrien) bei einem Lupendurchmesser von rund 9 Zentimetern brachte gute Ergebnisse. Diese Lupe hält man nun in einer Höhe von etwa 5 Zentimetern parallel oder senkrecht zur Tischfläche. Wenn der Mittelpunkt der Lupe dabei in etwa auch 5 Zentimeter in horizontaler Richtung von der Mitte des schwarzen Rechteckes entfernt ist, dann hat man eine gute Startposition. Jetzt blickt man von schräg oben so durch die Lupe, dass man den gegenüberliegenden Rand des schwarzen Rechteckes sieht. Wenn an diesem Rand schmale Farberscheinungen auftreten, dann funktioniert es. Sieht man noch keine Farbeffekte, dann ändere man geringfügig und mit Aufmerksamen Blick a) den Winkel der Lupe, die Höhe oder horizontale Entfernung der Lupe, die Position des eigenen Auges. Es folgt jetzt eine Beschreibung der Einzelphänomene.

Die Richtung der Verrückung

Die tatsächliche Länge des Rechteckes von etwa 10 Zentimetern erlaubt es, dass man einen Teil des schwarzen Rechteckes gleichzeitig durch die Lupe und gleichzeitig mit dem bloßen Auge sieht. Die Richtung in die das "Lupenschwarze" in das Weiße welches wir ohne Lupe sehen hineinragt, dies ist die Richtung der Verrückung, so wie Goethe das Wort gebraucht.

Saum und Rand

Mit Hilfe der Verrückung beschreibt führt Goehte im Paragraph 212 zwei weitere Begriffe ein: "Diejenige Farbe, welche bei Verrückung eines Bildes vorausgeht, ist immer die breitere, und wir nenn sie einen Saum; diejenige Farbe, welche an der Grenze zurückbleibt, ist die schmälere, udn wir nennen sie einen Rand."

Die Farbeffekte

Im Paragraph 213 kommt Goethe nun zu den Farbeffekten: "Bewegen wir eine dunkle Grenze gegen das helle, so geht der gelbe breitere Saum voran, und der schmälere gelbrote Rand folgt mit der Grenze. Rücken wir eine helle Grenze gegen das Dunkle, so geht der breitere violette Saum voraus und der schmälere blaue Rand folgt."

Was Goethe gelbrot wird heute auch orange genannt. In der Nachstellung war Goethes Violett bei uns tief dunkelblau und das was Goethe Blau nannte, erschien uns hellblau.

Quellen

Goethes Farbenlehre, Didaktischer Teil, XIV. Bedingungen unter welchen die Farberscheinung zunimmt, Paragraphen 209, 212 und 213.

Siehe auch

=> Goethes Lupen-Verrueckungsversuch bei Helmholtz
=> Johann Wolfgang von Goethe
=> Goethes Farbenlehre